Image Selection XV – Faces

Those naughty ones were spotted in a schoolyard of the TCV Dharamsala (Tibetan’s Children Village). Most Tibetan kids can be funny little demons…or perhaps the demon was the pale man with the camera. | Die zwei Strolche fand ich in einem Schulhof des Tibetan’s Children Village in Dharamsala auf dem Heimweg. Zu entscheiden wer der Dämon ist – der Junge oder der blasse Herr mit der Kamera vor ihm – sei jedem selbst überlassen.

Somewhere between pride, curiosity and anguish. I am still not sure if he came up to me to get a picture of his daughter (what would be the use, since he never saw it?) or if he simply wanted to exchange a few words and we couldn’t understand each other. He came up to me and asked to be photographed, then vanished again. Perhaps he thought I was a travelling photographer. | Irgendwo zwischen Stolz, Neugier und Pein. Vielleicht wollte er ein Bild seiner Tochter, vielleicht wollte er nur ein paar Worte mit mir wechseln. Er kam in der Strasse auf mich zu und verschwand nach geschossenem Bild wieder.Vielleicht hielt er mich (nicht fälschlich) für einen vagabundierenden Fotografen.

A proud young Sikh boy dressed in fine “Sunday” clothes, looking at me with some of the most open and calm curiosity I have ever seen. | Dieser junge Sikh im Goldenen Tempel trägt seine beste “Sonntagskleidung” und blickt mich mit unglaublich offener und entspannter Neugierde an.

A Bihari worker. He kept the small monastery of Reckong Peo in order, laying bricks, cutting down trees. He is a migrant, travelling for work up to nine months a year. The money is sent back to his family. He and his colleague asked me if I was married and, clearly thinking ahead, brought me a packet of Lays chips and a copy of a porn movie as gifts. | Ein Wanderarbeiter aus Bihar, der hilft das kleine Kloster von Reckong Peo instand zu halten. Für bis zu neun Monate pro Jahr ist er in ganz Indien unterwegs. Das Geld schickt er nachhause. Sein Kollege und er haben mich gefragt ob ich verheiratet bin und haben mir später – wohl aus Mitleid – eine Packung Lays Chips und einen kopierten Pornofilm geschenkt.

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Armut und Kastendenken oder Was der Westen über Indien gerne missversteht

Ein paar essentielle Fakten über Indien und die Dinge, die wir im Westen oft und gerne falsch verstehen.

Armut in Indien – seit knapp zehn Jahren erlebt Indien einen noch nie dagewesenen Wirtschaftsboom. Die heutige Generation kann sich Dinge leisten, von denen ihre Eltern nur träumen konnten. Während es bis zum Jahrtausendwechsel Wohlstand war, wenn sich eine Familie einen Kühlschrank geleistet hat, ist es heute für fast jede Mittelklasse Familie normal einen eigenen Wagen zu besitzen, eigene vier Wände zu haben und sich westlichen Luxus leisten zu können. In der Tat ist die derzeitige Generation eine extrem materialistisch orientierte Generation – es ist wichtig zu besitzen, denn Besitz zeugt von Status und Status ist das sine qua non der meisten Inder. Nichtsdestotrotz gibt es in Indien relative Armut (jemand der in Indien ohne Probleme leben kann ist immer noch weit unter dem Mindesteinkommen in westlichen Augen) und absolute Armut.

Es gibt eine Reihe von Staaten, die in Indien als BPL Staaten bezeichnet werden. BPL heißt Below the Poverty Line, jenseits der Armutsgrenze. In den Staaten Uttar Pradesh, Bihar und Maharashtra ist die Armut besonders groß, nachdem es dort kaum funktionierende Infrastrukturen und wenig politische Kanäle gibt, die größtenteils hoffnungslos korrumpiert sind. Armut als solches kann aber immer nur Symptom sein und nie der Grund eines Problems.

Slums in Indien, beispielsweise, sind nicht immer ein Zeichen von Elend der Bewohner. Die Slums in den Großstädten sind oft Dorfgemeinschaften innerhalb der Städte selbst – in Delhi beispielsweise habe ich ein Dorf gesehen, das buchstäblich in einem kleinen Park neben einer Tankstelle entstanden ist, voll von Hütten aus Holz, Wellblech und Folie. Die Menschen aus solchen Dörfern haben fast immer Arbeitsplätze und geregelte Lebensabläufe. In den seltensten Fällen sind sie nicht in der Lage zu überleben und selbst dann, selbst in den ärmsten Gemeinschaften entstehen Geschäfte, wie die Müllsammler. Es mag keine noble Arbeit sein, aber die Menschen sind stolz auf ihre Arbeit und ebenso stolz auf ihre Herkunft, auch wenn das jetzt ein Slum in Mumbai ist.

Ein Problem, das beinahe alle Gesellschaften dieser Welt trifft, das aber in Indien besonders eklatant ist, ist die Verteilung des Reichtums. Für lange Zeit gab es eine kleine Oberschicht und der Rest war arm – das Aufkommen eines Mittelstandes hat den Reichtum in Indien zwar etwas umverteilt, aber die Ärmsten des Landes bekommen immer noch nicht mehr als zuvor.

Ein wirkliches Problem ist die Unfähigkeit oder die Unmöglichkeit, die Menschen in Städten mit sauberem Trinkwasser zu versorgen und in Folge das Abwasser und Müllmanagement. Die Verschmutzung in vielen Städten ist auch für das bloße Auge als gesundheitsgefährdend zu erkennen.

Das indische Verwaltungssystem ist, wie kann es anders sein, undurchsichtig. Korruption ist die Norm und wird auch von der Öffentlichkeit nicht wesentlich bestraft. Eine tiefergehende Analyse sprengt allerdings den Rahmen dieses Blogs.

Das Kastensystem – von einem gewissen Blickwinkel aus gesehen sanktioniert das Kastensystem Gewalt und die Trennung zwischen Gesellschaftsgruppen, aber kaum ein Inder würde heute das Kastensystem als eines der großen Probleme des Landes nennen. Die jungen Inder sagen, das Kastensystem existiert nicht mehr. Die älteren wissen es zwar besser – etwas so tief im eigenen Denken verwurzeltes kann man nicht loswerden – aber auch sie lachen eher darüber, wenn man es als ernsthaftes Problem des Landes zur Sprache bringt. Das Kastensystem ist mehr eine Trennung gewisser Berufs- und Identitätsgruppen aus Tradition, ähnlich aber nicht genau so wie es in jeder Kultur soziale Unterschiede oder Klassenunterschiede gibt. Ein Universitätsprofessor und seine Familie werden anders angesehen als ein Müllman und dessen Familie. Sozialer Status spielt hier die größte Rolle. Das Kastensystem ist enorm komplex und wird in so vielen unterschiedlichen Formen ausgelegt, dass ein Aussenstehender eigentlich kaum eine Chance hat es als lebendiges, fluides System zu verstehen. Die Idee vom rigiden Kastensystem stammt mit aus der Zeit der britischen Besatzung, wo es als ein Klassensystem missverstanden und als ein solches gefördert wurde. Als Europäer hat man es sehr schwer, nicht an ein Klassensystem zu denken.

Heute macht man als Inder unter den oberen Kasten keinen bewussten Unterschied mehr, auch wenn Kastenzugehörigkeit durchaus noch politische Bedeutung hat. Dalits, Unberührbare oder Scheduled Castes, wie sie heute offiziell heißen, bekommen ebenso wie Stammengemeinschaften und die sogenannten Other Backward Castes, die ungefähr die Hälfte der indischen Bevölkerung ausmachen, vom Staat Förderungen und es gibt Quotenregelungen, die widerum bei den Forward Castes, also den oberen und höher gebildeten, auf heftigen Widerstand stoßen.

Ein nicht zu leugnendes Problem, das aus dem dem Kastendenken entstammenden Elitendenken entstanden ist, ist das zwiegespaltene Indien. Die reichen Eliten leben einfach in einer anderen Welt als die armen, ungebildeten. Schlicht aus Platzmangel müssen sie sich diese zwei Welten teilen. Das erklärt teilweise warum man in Indien ein Luxushotel inmitten von Ruinen finden kann oder aus einem klimaanlagenverwöhnten Restaurant in einen dreckigen, chaotischen Markt wandern kann. Der Kopf ist vom Rest des Körpers getrennt worden. Man will Fortschritt und mit den Eliten der Welt mithalten, aber man kann sich keine allgemeine Basis dafür schaffen. Das ist ein Grund für viele der offensichtlichen Widersprüche des Landes. Man will bessere Computer, ist marktführend in Information Technology und richtet WiFi Cafes ein, kann aber keine durchgehende Stromversorgung auf die Beine stellen. Indische Manager und Computerfachleute zählen zu den besten der Welt, aber es gibt immer noch knapp dreißig Prozent an Indern, die weder lesen noch schreiben können. Man bietet fortgeschrittene Herzchirurgie und Schönheitskliniken an, aber kann immer noch nicht vermeiden, dass Kinder an Typhus sterben. Man kauft massenweise schnelle Autos, die in zehn Sekunden von null auf hundert beschleunigen können, hat aber nirgendwo genug Platz um das zu tun ohne ein Massenblutbad anzurichten.

Man kann sagen, dass der Fotschrittswille und Materialismus im heutigen Indien zwei Hauptgründen entspricht – zum einen dem Statusdenken; in Indien herrscht eine ähnliche Sensibilität zur Hierarchie wie in Japan, bloß fehlen in Indien die fein abgestimmten Umgangsformen und der Kampf nach oben zu gelangen verläuft weitaus roher. Zum anderen einem enormen Minderwertigkeitsgefühl. Indien hat erst seit fünfzig Jahren eine eigene soziale Kultur, erst seit fünfzig Jahren gibt es das Gefühl ein Inder zu sein, nach mehrerer Jahrhunderten von ausländischer Besatzung. Die Menschen leben im selben Land, aber aufgrund ihrer unterschiedlichen religiösen und sozialen Hintergründe leben sie trotzdem in verschiedenen Welten und stehen nun vor der Herausforderung eine allgemeingültige indische Kultur zu schaffen.

Ohne die Herrschaft der Mogulen und der Briten – so viel Schaden sie den Menschen unter ihrer Ägide auch zugefügt haben – wäre Indien möglicherweise heute kein einheitlicher Staat, sondern ein Konglomerat an kleinen Staaten und Reichen, hinduistisch, muslimisch oder sonstwie. Die Kulturgruppen sind zu verschieden. Trotzdem fühlen sich ein Großteil der Menschen als Inder, sind stolz auf ihr Land und sehr patriotisch. Einheit in Vielfalt, heißt das staatliche Motto seit der Unabhängigkeit und nach der Vielfalt muss man nicht lange suchen.

Das größte Problem zu einer Zeit, in der Inder ihr Nationalgefühl suchen, sind Spannungen zwischen den unterschiedlichen Volksgruppen, vor allem Spannungen zwischen Muslimen und Hindus. In Regionen von Mumbai, beispielsweise, herrschen zwischen Hindus und Muslimen ähnliche Spannungen wie zwischen Weißen und Schwarzen in Amerika. Allerdings ist Generalisierung etwas, das man auf Indien absolut nicht anwenden kann. Jede Situation ist unterschiedlich und alles hängt von den Personen in Schlüsselrollen ab.

Indien nennt sich die gößte Demokratie der Welt und nachdem sie Platz findet für einen zentralistischen Kongress, zwei funktionierende kommunistische Staaten, mittelalterliche Feudalsysteme, traditionelle Dorfräte, religiöse Guppierungen in allen Formen, Farben und Bekenntnissen, moderne kapitalistische Systeme, Ausbeutung und Korruption, Sklaverei, Bioprodukte, Ökotourismus und vieles mehr, kann man sagen – demokratischer geht es nicht. Dafür, dass in Indien knapp eine Milliarde Menschen leben, mehrere Tausend unterschiedliche Bevölkerungsgruppen oft Tür and Tür miteinander existieren, sind die Spannungen, auch wenn des Öfteren davon in sensationalistischen Schlagzeilen berichtet wird, wenn sie überkochen, minimal.

Die Liste lässt sich sehr lange weiterführen. Endgültig ist hier natürlich keine einzige Aussage. Das Indien der westlichen Romantik mag in Augenblicken ebenso existieren wie ein moderner, zwiespältiger, widersprüchlicher Staat. Die Faszination ist auf jeden Fall endlos.

Indien von A bis Z – Ein Lesetipp

Letztes Jahr durfte ich beim India Camp die Organisatoren Stefan Mey und Wolfgang Bergthaler kennenlernen (das war übrigens auch die Geburtsstunde dieses Blogs). Beide sind, aus wohl unterschiedlichen aber doch überschneidenden Gründen, fasziniert von Indien und betreiben gemeinsam die erfolgreiche Wirtschaftsplattform Indische Wirtschaft.

Derzeit sind die beiden in Bangalore und Bombay unterwegs (skurrile und informative Einträge dazu gibt es zahlreiche auf Stefan Meys Seite) und aus dieser und früheren Erfahrungen in Indien hat Wolfgang jetzt ein Buch gemacht: “Indien von A bis Z”

Wolfgang Bergthaler kennt die indische Wirtschaftsszene ausgezeichnet – von Start-ups, großen Plänen und der harten Arbeit die umzusetzen, bis hin zu generellen Business Strategien wird der interessierte Leser in diesem Buch eine Menge Material finden können. Dazu gibt es sehr gut beobachtete Gegenüberstellungen zwischen der indischen und der europäischen (oft auch spezifisch der österreichischen) Denkweise und Analysen, woran denn der bestgemeinte Plan scheitern kann und welche Eigenarten (die eigenen wie die des geschäftlichen Partners) man im gegenseitigen Umgang beachten soll.

Das Beste an den Essays ist, aus meiner Sicht, allerdings dass Bergthaler über den wirtschaftlichen Tellerrand blicken kann und seine Beobachtungen von weitreichendem Interesse sind und er soziologische, psychologische, strategische und rein menschliche Aspekte berücksichtigt. Die Wirtschaft bekommt hier für den Leser ein tief menschliches Gesicht und ist auch für Menschen, die sich Indien aus anderem Interesse als schlicht dem “Business” nähern wollen, mehr als einen Blick wert. Auch der Humor und die Indien innewohnende Skurrilität kommen natürlich des Öfteren durch.

Der Autor versteht die Welt und die Menschen über die er schreibt, und vermittelt dieses Verständnis in klaren Worten. Dem fallen dankenswerterweise viele Indienklischees zum Opfer und man kann dahinter Schemen des heutigen Indiens sehen. Manche der Essays kann man sicher auch als Reisebeobachtungen oder Studien des Landes lesen, ohne Beschönigung aber mit sichtbarer Zuneigung zu diesem faszinierenden Land geschrieben. Kurz: “Indien von A bis Z” ist ein absolut lesenswertes Werk für alle, die sich für den Facettenreichtum Indiens interessieren.

Das Buch ist in Kindle Edition bei Amazon zu erhalten.